Hinweise zur Haltbarkeit von Inkjetdrucken und den Ausstellungsbedingungen

Wie lange sind Inkjetdrucke wirklich haltbar? Werbeprospekte versprechen selbstbewusst weit über 100 Jahre - wir werden es ja nicht mehr erleben und nachprüfen können. Und dann sieht die Realität manchmal doch so aus, dass Drucke nach einigen Monaten an der Wand die Farbbalance ändern.

Im Gegenzug zu traditionell (chemisch) angefertigten, analogen Schwarzweiß-Abzügen, die es ja bereits seit weit mehr als 100 Jahren gibt und von denen zahlreiche - auch aus dem 19. Jahrhundert - immer noch sehr ansehnlich sind, haben wir beim Inkjetdruck keine 100 Jahre Erfahrung. Tintenstrahldrucke aus den Anfangsjahren sehen heute - nach rund 20 Jahren - zumeist doch ziemlich blass und verfärbt aus, und die Ränder bei den ersten nano- oder mikroporös-beschichteten Fotopapiere sind häufig gelblich verfärbt. Allerdings hat die Entwicklung seitdem enorme Fortschritte gemacht: heutige Tinten und Medien haben nur noch wenig mit denen aus den 90er Jahren gemein.

In der Beurteilung helfen sollen Alterungstests, die innerhalb weniger Wochen versuchen zu simulieren, was in vielen Jahren mit den Drucken passieren kann. Diese Alterungstests sind aber weder standardisiert, noch reflektieren sie wirklich die tatsächliche Bedingungen, die über Jahre und Jahrzehnte auf die Drucke einwirken und mitunter zusammen sich verstärkend wirksam sein können.

Im folgenden geben wir Ihnen ein paar grundsätzliche Informationen, damit Sie sich ein besseres Bild davon machen können, von welcher Haltbarkeit Sie für Ihre selbst angefertigten Inkjetdrucke ausgehen können. Denn die Haltbarkeit hängt grundsätzlich von mehreren Faktoren ab.


1. Einfluss der Tinte

Die Tinte ist zum überwiegendem Teil der entscheidende Faktor. Die Lichtstabilität von pigmentierten Tinten ist um vieles besser als die von Farbstofftinten. Tatsächlich sind die Pigmenttinten der führenden Hersteller (z.B. Canon Lucia, Epson UltraChrome oder HP Vivera) sehr haltbar; deren Stabilität liegt eng beieinander und lässt auf eine Haltbarkeit von 100 Jahren oder länger bei normalen Innenraum-Bedingungen schließen, bevor sichtbares Verblassen von Farben auftritt. Auch die Stabilität gegen Wasser und Luftfeuchte ist bei Pigmenten hoch.

Bei Dye- bzw. Farbstofftinten ist die Haltbarkeit bei allen Medien mit porösen Oberflächen eingeschränkt. Polymer-beschichtete Papiere bieten für Dye-Tinten besseren Schutz, da die Farbstoffe besser ummantelt und geschützt werden; allerdings gibt es kaum noch polymer-beschichtete Papiere zu kaufen. Nahezu alle PE-Fotopapiere, glänzend-gestrichenen Papiere sowie alle matt-beschichteten Papiere haben poröse Oberflächen. Die meisten Farbstofftinten reagieren in porös-beschichteten Papieren empfindlich auf Ozon und andere schädlichen, oxidierenden Luftverschmutzungen. Die in Inkjet-Drylabs verwendeten Farbstoffe bilden eine Ausnahme, da sie eingekapselt sind und damit geschützt sind vor den meisten Umwelteinflüssen. Deren Haltbarkeit entspricht eher der von Pigmenttinten.

 

2. Ausstellungsbedingungen

Schädliche, oxidierende Umweltgase (z.B. Ozon) können einem Bild rasch schaden. Wohnt man z.B. an einer stark befahrenen Kreuzung, oder hängt das Bild ungeschützt in einem Frisiersalon, in dem mit Bleichmitteln gearbeitet wird, muss man von einer deutlich reduzierten Haltbarkeit der Drucke ausgehen, da die Gase das Bild angreifen und in hoher Konzentration selbst die Farbpigmente zerstören können. Auch scharfe Reinigungs- und Desinfektionsmittel greifen Farbstoffe und Farbpigmente an.

Wasser und hohe Luftfeuchte, Helligkeit und Hitze verkürzen ebenfalls die Lebensdauer der Farben, insbesondere UV-Strahlen und starke Wärme (z.B. wenn der Druck jeden Tag in der prallen Mittagssonne hängt).

Am besten schützt man sein Bild, indem man es hinter Glas rahmt; dann können schädliche Gase das Bild nicht angreifen. Achten Sie bei der Wahl der Bilderrahmen aber darauf, dass sie aus Materialien gefertigt sind, die auch Archivanforderungen genügen. Gleiches gilt auch für Fotoalben, die die Drucke ebenfalls schützen, vorausgesetzt, die Seiten des Albums und der Kleber sind für die Archivierung geeignet.

Von Schutzlacken und Laminaten raten wir ab, wenn das Ziel eine möglichst lange Aufbewahrung sein soll. Sie sind nur dann empfehlenswert, wenn die Drucke starken mechanischen Belastungen ausgesetzt sind (z.B. Regen oder mechanischer Abrieb) und ein Mindestschutz gewährleistet sein soll. Langfristig jedoch können Lacke oder Laminierfolien sich ändern (und den Druck darunter in Mitleidenschaft ziehen).


3. Einfluss des Druckmediums

Tatsächlich sind die Unterschiede bzgl. der Haltbarkeit zwischen den Papieren der renommierten Hersteller sehr gering. Die heutigen nanoporösen und mikroporösen Beschichtungen, die in den hochwertigen Papieren und Folien eingesetzt werden, haben nur einen sehr geringen Einfluss auf die Haltbarkeit der Farben, insbesondere bei pigmentierten Tinten. 

Bei PE-Papieren kann die PE-Schicht natürlich nach einiger Zeit spröde werden. Dies ist jedoch eher von theoretischer Gefahr, denn die ältesten PE-beschichteten (analogen) Fotopapiere gehen auf Anfang der 70er Jahre zurück, sind jetzt also ca. 40 Jahre alt. Die PE-Schicht dieser Bilder ist heute immer noch einwandfrei. Außerdem schützt die PE-Schicht vor Einflüssen, die von der Rückseite des Papiers auf den Druck einwirken könnten.

Alternativ kann man Fine Art-Papiere nehmen, die keinen Kunststoff enthalten, oder Vollkunststoff-Materialien aus Polyester, die ebenfalls nahezu unzerstörbar sind. Sofern Archivfestigkeit gefordert ist, sollte man bei Papieren darauf achten, dass sie säure- und ligninfrei sind.

Bezüglich möglichen Vergilbens ist tatsächlich das Papier der maßgebende Faktor. Hier gilt, je weniger optische Aufheller ein Papier aufweist, d.h. je „gelber / wärmer“ es von Hause aus ist, desto weniger können die optischen Aufheller auch ausbleichen und vergilben. In dieser Hinsicht ist ein ausgesprochenes Warmtonpapier die beste Wahl, weil es sich am wenigsten verändern und vergilben wird im Laufe der Jahre.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen: der Einfluss vergleichbarer Druckmedien auf die Haltbarkeit der Farben ist gering. Vorausgesetzt, es handelt sich um hochwertige Medien aus zuverlässiger, konstanter Produktion, und dazu gehören sämtliche Inkjetmedien, die wir in unserem Sortiment führen. Bestimmend sind vielmehr die Tinten und die Ausstellungs-/Aufbewahrungsbedingungen. Und diese Umweltbedingungen können extrem variieren und sind nur selten, nämlich in entsprechend eingerichteten Bildarchiven, kontrolliert und konstant.

Deshalb halten wir sämtliche Veröffentlichungen von Zahlen, also Angaben zur Haltbarkeit der Drucke in Jahren, für nicht seriös, da diese nur für bestimmte Laborbedingungen gelten und nicht der Realität entsprechen. 

Man kann aber davon ausgehen, dass Drucke auf hochwertigen Fotopapieren, Fine Art-Papieren oder Polyester-Folien, erstellt mit hochwertigen pigmentierten Tinten, sachgerecht gelagert im Dunkeln und bei gleichbleibender, kontrollierter mittlerer Luftfeuchte, Raumtemperatur und sauberer Luftumgebung, durchaus 80 bis 100 Jahre oder noch weitaus länger halten werden, bevor sichtbare Farbveränderungen auftreten. Unter Archivbedingungen werden wahrscheinlich auch 200 Jahre durchaus erreichbar sein, ununterbrochen optimale Lagerung vorausgesetzt. Aber wer kann das schon garantieren?

Wenn Sie Veröffentlichungen von Herstellern oder unabhängigen Testinstituten lesen, die mit enorm langer Haltbarkeit von Drucken werben, seien Sie kritisch und lesen das Kleingedruckte. Diese Zahlen werden bei genauer Prüfung nicht sehr seriös sein, da Sie hochgerechnet und unter Testbedingungen ermittelt wurden, die alles andere als realistisch sind.